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| AUTOR | THEMA | Antworten |
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Miserable Ausbildungsbedingungen für angehende Psychotherapeuten Hallo zusammen,
ich befinde mich derzeit in der Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und muss mal Dampf ablassen: nicht nur 1 Jahr arbeiten in einer Psychiatrie, sondern das ganze auch noch umsonst (kein Gehalt wird gezahlt, keine Essensmarken oder sonstiges bereitgestellt). Ein PiA (Psychotherapeut in Ausbildung) erledigt sicherlich 70% eines festangestellten Therapeuten (Einzelkontakte, Dokumentation, Gruppenangebote) und bekommt dafür keine Art von Anerkennung oder Entlohnung! Unfair! Klar, die Kliniken haben kein Geld, aber wir sind Personen mit einem Uni-Abschluss (Dipl- Psych oder Dipl Päd), höchste Zeit, etwas zu unternehmen! Was denkt ihr? |
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a-c hat völlig recht: Die Situation der PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA), die Psychologie (oder im Falle von KJPiA -- also Kinder- und Jugendlichen-PsychotherapeutInnen -- auch Sozialpädagogik o.ä.) studiert haben, ist ein wenig bekannter Skandal!
Diplomierte PsychologInnen werden in Kliniken in der gesetzlich vorgeschriebenen sog. "Praktischen Tätigkeit" 18 Monate lang für Hungerlöhne (denn für die Klinikleitungen sind sie "Praktikanten"), oft auch für glatte 0 € beschäftigt. Dabei leisten sie praktisch immer die volle Arbeit eines/r festangestellten PsychologIn. Die Diskrepanz der Ausbildungsbedingungen zwischen Ärztlichen PsychotherapeutInnen in Ausbildung (also angehenden PsychotherapeutInnen, die Medizin studiert haben) und PiA / KJPiA (angehenden PsychotherapeutInnen, die Psychologie oder bei KJPiA auch Sozialpädagogik o.ä.studiert haben) ist immens und nach meiner bescheidenen Meinung auch grundgesetzwidrig (Gleichheitsgrundsatz). Ursache für diesen Missstand ist das unzureichende Psychotherapeutengesetz (PsychThG) von 1999, das diese ungerechte Behandlung und Ausbeutung legalisiert und das dringend überarbeitet werden muss. Soweit das Wichtigste dazu in Kürze. Gruß, Dipl.-Psych. M. Wehrstedt, Kassel (Psychologischer Psychotherapeut in Ausbildung, PPiA) |
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Auch ich starte nächstes Jahr meine Ausbildung zur Psychologischen Psychotherepeutin und bin immer wieder schockiert darüber, dass so viele Kliniken eine Vollzeitstelle einer Diplompsychologin in KEINSTER WEISE vergüten. Ausbeutung ist der zutreffenste Begriff und keine Übertreibung!
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Liebe a-c,
ja, es ist leider skandalös und es sind leider auch nicht "nur" 70%, oft arbeiten PIAs 50 bis 60 h pro Woche und erhalten alleine den Klinikbetrieb in Gange, während festangestellte Psychologen häufig Forschung betreiben müssen (zumindest ist es an vielen Unikliniken der Fall) ... Kopf hoch, wir sind dran. |
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Auch ich habe während meiner Praktischen Tätigkeit I 1 Jahr in der Psychiatrie gearbeitet. Zwar bekam ich ein Praktikantengehalt (entsprechend dem der Vorpraktikanten der Pflege), musste dafür jedoch auch ein Jahr lang 38.5 Wochenstunden arbeiten - in der Summe sehr viel mehr als die 1200 vom Ausbildungsgesetz geforderten Stunden. Ich habe dabei ebensoviele Patienten betreut, wie meine vollbezahlten psychologischen oder ärztlichen Kollegen und dies sicher nicht schlechter gemacht als andere Berufseinsteiger (bspw. Assistenzärzte). Inzwischen habe ich eine halbe Stelle auf einer Psychosomatik-Station und ärgere mich besonders darüber, dass mir die dort geleistete Arbeit (die 1:1 der während meiner Praktischen Tätigkeit I entspricht) hier in Baden Württemberg nicht für die Praktische Tätigkeit II (sog. Psychosomatikstunden) anerkannt wird. Nein, dafür musste ich mir zusätzliche eine unbezahlte Stelle suchen!
Ich komme mir zum wiederholten Male seit Beginn der Ausbildung echt veräppelt vor! Dieses System entbehrt jeglicher Logik - von Gerechtigkeit ganz zu schweigen! |
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Ja da kann ich mich nur anschließen...es war immer mein Wunsch, Psychotherapeutin zu werden und ich wusste, dass die Ausbildung nicht einfach werden würde, aber dass es so anstrengend und frustrierend werden würde - nein, das konnte ich mir nicht vorstellen. Ich muss mich schon schwer zusammenreißen, nicht loszulachen, wenn ich meinen Patienten was von "Ausgewogenheit zwischen Pflichten und positiven Aktivitäten" erzähle - Freizeit??? Hab ich schon lange nicht mehr. Und wenn man dann, abends nach Feierabend, noch einem gähnenden Supervisor gegenübersitzt, der sich brennend für den vorgestellten Patienten interessiert, dann ist doch mal wieder alles in Butter...
Ich frage mich nur, ob "reiche Eltern" wirklich das beste Selektionskriterium für Psychotherapeuten sind. Aber de facto scheint das ja der ausschlaggebende Punkt zu sein. Von der Idee, mich mal niederzulassen, verabschiede ich mich auch mehr und mehr. Nach der Ausbildung nochmal nen schönen Kredit für die Zulassung aufnehmen? Nicht mit mir, irgendwann ist auch mal Schluß. Ich möchte arbeiten, um Geld zu verdienen und nicht bezahlen, um arbeiten zu dürfen. |
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Hallo zusammen,
ich werde euren Unmut ab nächsten Jahr am eigenen Leibe zu spüren bekommen, denn dann werde auch ich meine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten beginnen. Und da man als Student ein Leben am Existenzminimum ja gewohnt ist, werde ich mein Praktisches Jahr gleich zu Beginn der Ausbildung machen...ganz nach dem Motto: das bisschen unter dem Existenzminimum schaffe ich dann auch noch! Es ist schon unglaublich, welcher Situation wir als AkademikerInnen nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium in die Augen blicken müssen!!! Beste Grüße! |
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Wem geht es eigentlich NICHT so??? Ich bin PPiA und kann mich allen Beiträgen nur anschließen. Ich muss ganz ehrlich sagen, ohne meine Eltern oder finanzielle Rücklagen wäre ich aufgeschmissen!! Dann hätte ich diese Ausbildung nie begonnen.
Ich finde, es ist bemerkenswert, dass ALLE PiA unter den Ausbildungsbedingungen leiden! Oder geht es etwa jemandem NICHT so??? Den möchte ich mal kennenlernen. Wer von uns PiA hält die Ausbildungsbedingungen für gerecht und zumutbar?? Ich wette, keiner!! (Leider habe ich nichts, um was ich wetten könnte, eine KV-Zulassung wäre doch ein netter Wetteinsatz...) |
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Auch ich bin PPiA und habe in meinen 1,5 Jahren Praktikum an einer Uniklinik 300 € Aufwandsentschädigung bekommen. Davon kann man nicht leben und schon gar nicht die Ausbildung bezahlen. Dieser Misstand muss unbedingt geändert werden, sonst stehen wir bald vor einem Riesenproblem in der psychotherapeutischen Versorgnung!!!!
Liebe PolitikerInnen, tut endlich was!!!! |