Glossar G

Weibliche Genitalverstümmelung - auch eine Herausforderung für Deutschland

    Nach Angaben von UNICEF sind weltweit ca. 125 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen, vor allem im nördlichen Afrika aber auch in südostasiatischen Ländern.

    Auch in Deutschland sind Mädchen und Frauen dem Risiko ausgesetzt, heimlich hierzulande oder im Ausland an ihren Genitalien verstümmelt zu werden.

    Seit September 2013 wird die Verstümmelung weiblicher Genitalien als eigener Straftatbestand gemäß § 226 a Strafgesetzbuch (StGB) eingestuft und kann mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.

    Denn Genitalverstümmlung stellt eine Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit mit schlimmsten körperlichen und seelischen Folgen dar. Keine kulturelle oder religiöse Tradition kann dies rechtfertigen. Neben akuten können sich auch chronische körperliche Komplikationen oder gravierende psychische und soziale Folgen einstellen.

    Deshalb ist bei der Behandlung von betroffenen Mädchen und Frauen für medizinische Fachkräfte neben einem guten Fachwissen auch eine besondere Sensibilität für die soziale und psychische Situation der Betroffenen erforderlich. Daher hat die Bundesärztekammer auf Anregung des BMG durch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe 2005 Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach Genitalverstümmelung erarbeitet und 2013 erneut aktualisiert. Diese Fassung ist vom BMG in englische Sprache übersetzt worden.

    Seit Oktober 2013 ist mit der vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) veröffentlichten endgültigen Fassung der ICD-10-GM (Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, German Modification) Version 2014 auch weibliche Genitalverstümmelung klassifiziert. Die Klassifikation dient der Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung und bildet damit u. a. eine wichtige Voraussetzung für die Vergütung der Behandlung.

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