Online-Ratgeber zur Pflege

Pflege von Angehörigen zu Hause

Wer sich dazu entschieden hat, einen nahestehenden Menschen zu Hause zu pflegen, dem bietet die Pflegeversicherung verschiedene Hilfen und Leistungen, um die häusliche Pflege durch Angehörige zu fördern.

Finanzielle Unterstützung (Pflegegeld)

Finanzielle Unterstützung (Pflegegeld)

Das Pflegegeld ist eine finanzielle Leistung der Pflegeversicherung. Diese wird gezahlt, wenn die Pflege selbst sichergestellt wird – zum Beispiel, wenn sie durch Angehörige erfolgt. Das Pflegegeld wird nicht direkt an die Pflegeperson gezahlt, sondern an die pflegebedürftige Person. Sie kann das Geld als finanzielle Anerkennung an pflegende Angehörige weitergeben.

Soziale Absicherung der Pflegeperson

Soziale Absicherung der Pflegeperson

Rentenansprüche

Wer eine Angehörige oder einen Angehörigen in häuslicher Umgebung mindestens 14 Stunden in der Woche pflegt, gilt im Sinne der Pflegeversicherung als Pflegeperson. Dabei ist auch ein Zusammenrechnen der Pflegezeiten von zwei oder mehreren Pflegebedürftigen möglich. Ist die Pflegeperson nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbstätig, zahlt die Pflegeversicherung die Beiträge zur Rentenversicherung. Die Höhe richtet sich dabei nach dem Schwe­regrad der Pflegebedürftigkeit und dem Umfang der Pflegetätigkeit. In der gesetz­lichen Rentenversicherung werden Pflegepersonen so gestellt, als würden sie ein Arbeitsentgelt in einer Höhe zwischen 26 und 80 Prozent der Bezugsgröße (ein in der Sozialversicherung häufig benötigter Wert, der sich aus dem Durchschnittsentgelt der Rentenversicherung ableitet) beziehen, je nach Pflegestufe der pflegebedürfigen Person und dem zeitlichem Umfang der Pflegetätigkeit.

Die Pflegekassen zahlen für eine Pflegeperson, die eine pflegebedürftige Person mindestens 14 Stunden wöchentlich pflegt, je nach Umfang der Pflegetätigkeit Rentenversicherungsbeiträge zwischen 144,86 und 434,59 Euro monatlich (Werte 2016 – alte Bundesländer) beziehungsweise zwischen 125,66 und 376,99 Euro monatlich (Werte 2016 – neue Bundesländer). Die Pflegepersonen werden so gestellt, als würden sie ein Arbeitsentgelt zwischen 774,67 und 2.324,00 Euro monatlich (Werte 2016 – alte Bundesländer) beziehungsweise zwischen 672,00 und 2.016,00 Euro monatlich (Werte 2016 – neue Bundesländer) erhalten. Durchschnittlich ergibt ein Jahr Pflegetätigkeit einen monatlichen Rentenanspruch zwischen 7,49 und 22,46 Euro (Wert: 1. Januar 2016 – alte Bundesländer) beziehungsweise zwischen 6,90 und 20,71 Euro (Wert: 1. Januar 2016 – neue Bundes­länder).

Ab dem 1. Januar 2017 werden sich hier umfangreiche Änderungen ergeben, die die Ansprüche von pflegenden Angehörigen deutlich ausweiten.

Unfallversicherung und Arbeitslosenversicherung

Wer einen nahestehenden Menschen in häuslicher Umgebung pflegt, ist während der Pflegetätigkeiten und bei allen Tätigkeiten und Wegen, die mit der Pflege zusammenhängen, beitragsfrei gesetzlich unfallversichert. Er oder sie kann zudem freiwillig als Mitglied in der Arbeitslosenversicherung versichert bleiben. Dazu muss spätestens innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Pflegetätigkeit oder nach Beendigung einer Pflegezeit im Sinne des § 3 Abs. 1 Satz 1 des Pflegezeitgesetzes ein Antrag bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden. Voraussetzung dafür ist, dass

  • in den 24 Monaten vor Aufnahme der Pflegetätigkeit bereits zwölf Monate lang Beiträge zur Arbeitsförderung gezahlt oder Arbeitslosengeld bezogen wurde,
  • unmittelbar vor Aufnahme der Pflegetätigkeit in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden oder Arbeitslosengeld bezogen wurde und
  • die Pflegeperson nicht anderweitig versicherungspflichtig zur Arbeitsförderung oder versicherungsfrei ist (eine geringfügige Beschäftigung ist neben der Pflege möglich).

Der Beitrag zur freiwilligen Weiterversicherung muss von der Pflegeperson bezahlt werden.

Ab dem 1. Januar 2017 werden sich hier Änderungen ergeben, die die Absicherung pflegender Angehöriger in der Arbeitslosenversicherung deutlich verbessern.

Urlaubsvertretung (Verhinderungspflege)

Urlaubsvertretung (Verhinderungspflege)

Die Pflegekasse zahlt eine notwendige Ersatzpflege, wenn die Pflegeperson wegen Urlaubs oder Krankheit verhindert ist. Voraussetzung ist, dass sie die Pflege mindestens seit sechs Monaten versieht.

Der Anspruch auf diese sogenannte Verhinderungspflege besteht für höchstens sechs Wochen im Jahr. Weitere Alternativen zur Erholung beziehungsweise Entlastung der Pflegenden sind die teilstationäre Tages­- und Nachtpflege sowie die Kurzzeitpflege.

Während einer Verhinderungspflege erhält die Pflegeperson bis zu sechs Wochen je Kalenderjahr die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes. Bei der Kurzzeitpflege wird die Hälfte des Pflegegeldes bis zu acht Wochen je Kalenderjahr gezahlt.

Für die Dauer eines Erholungsurlaubs der Pflegeperson werden die Rentenversicherungsbeiträge von der Pflegekasse weitergezahlt. Dadurch bleibt der Rentenanspruch für die Zeit des Urlaubs ungeschmälert bestehen.

Pflegekurse für Angehörige

Pflegekurse für Angehörige

Die Pflegekassen bieten für Personen, die eine Angehörige oder einen Angehörigen pflegen oder sich ehrenamtlich um Pflegebedürftige kümmern, unentgeltliche Schulungskurse an. Diese Kurse werden zum Teil in Zusammenarbeit mit Verbänden der freien Wohlfahrtspflege, mit Volkshochschulen, der Nachbarschaftshilfe oder Bildungsvereinen angeboten. Sie bieten praktische Anleitung und Informationen, aber auch Beratung und Unterstützung zu den unterschiedlichsten Themen. Außerdem bieten diese Kurse pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Auf Wunsch findet die Schulung auch in der häuslichen Umgebung der beziehungsweise des Pflege­bedürftigen statt. Außerdem werden bei Pflegegeldbezieherinnen und Pflegegeld­beziehern sowie bei Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz Beratungseinsätze durchgeführt.

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