Pflegeversicherung

Geschichte, Entwicklung und Finanzierung

Geschichte und Entwicklung

Am 1. Januar 1995 wurde die letzte große Lücke in der sozialen Versorgung geschlossen. Seither gibt es die Pflegeversicherung als fünfte Säule der Sozialversicherung neben der Krankenversicherung, der Arbeitslosenversicherung, der Rentenversicherung und der gesetzlichen Unfallversicherung. Da prinzipiell jeder einmal auf Pflege angewiesen sein kann, wurde schon bei der Einführung der Pflegeversicherung eine umfassende Versicherungspflicht für alle gesetzlich und privat Versicherten festgelegt. Das bedeutet: Jeder, der gesetzlich krankenversichert ist, ist automatisch in der sozialen Pflegeversicherung versichert, und jeder privat Krankenversicherte muss eine private Pflege-Pflichtversicherung abschließen.

Warum war die Einführung der Pflegeversicherung notwendig

Alle Industrienationen haben eines gemeinsam: Ihre Gesellschaften werden immer älter. Nach den Vorausschätzungen zur Bevölkerungsentwicklung wird in Deutschland die Anzahl älterer Personen (80 Jahre und älter) von 2013 bis zum Jahr 2060 um knapp 5 Mio. Menschen auf knapp 9 Mio. ansteigen. Ein heute sieben Jahre altes Mädchen hat gute Chancen, das 22. Jahrhundert zu erleben. Diese positive Entwicklung hat jedoch auch eine Kehrseite. Ab dem 80. Lebensjahr steigt die statistische Wahrscheinlichkeit, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, rapide an – auf 33 Prozent. Das heißt: Je älter die Bevölkerung, desto höher die Zahl der pflegebedürftigen Menschen. Pflegebedürftigkeit bedeutet für die Betroffenen und ihre Angehörigen große physische, psychische und finanzielle Belastung, zumal sich die Familienstrukturen verändert haben. In den Familien gibt es weniger Kinder, oft sind diese berufstätig und können sich nicht so intensiv um ihre Eltern kümmern, wie es früher einmal der Fall war. Um Pflegebedürftige und ihre Familien zu entlasten, wurde deshalb die Pflegeversicherung eingeführt. Denn nach der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ist unser Land ein sozialer Rechtsstaat, der seinen Bürgerinnen und Bürgern für die wesentlichen Lebensrisiken einen angemessenen Schutz garantieren muss.

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. Dabei muss mindestens täglicher Hilfebedarf bei wenigstens zwei der - im Gesetz genannten - Verrichtungen aus den Bereichen der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität sowie ergänzend der hauswirtschaftlichen Versorgung bestehen.

Je nach Umfang des Hilfebedarfs gibt es drei Pflegestufen. Innerhalb der Pflegestufen wird zusätzlich danach differenziert, ob bei dem pflegebedürftigen Menschen ein höherer Betreuungsbedarf besteht, weil er an einer Demenzerkrankung leidet.

Die Pflegeversicherung gibt den pflegebedürftigen Menschen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie und von wem sie gepflegt werden möchten. So können Pflegebedürftige entscheiden, ob sie Hilfe von professionellen Fachkräften in Anspruch nehmen möchten oder ob sie lieber Pflegegeld beziehen, das sie an ihre pflegenden Angehörigen als finanzielle Anerkennung weitergeben können. Oberstes Ziel ist es, den pflegebedürftigen Menschen weitestgehend ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Pflegeberichte (1995 – 2011)

Finanzierung

Die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung werden grundsätzlich durch Beiträge finanziert, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte entrichten, genau wie bei der Arbeitslosen-, die Kranken- und die Rentenversicherung. Dabei deckt die soziale Pflegeversicherung nicht alle Kosten der Pflege ab und der oder die Pflegebedürftige oder seine oder ihre Familie müssen einen Teil der Kosten selbst tragen. Die Pflegeversicherung wird deshalb auch als "Teilleistungs-Versicherung" oder Kernsicherungssystem bezeichnet. Eine vollständige Finanzierung aller Pflegeleistungen würde einen deutlich höheren Beitragssatz erfordern. Im Elften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB XI) finden sich alle wichtigen Regelungen zur Pflegeversicherung.

Beitragssätze

Der Beitrag zur Pflegeversicherung beträgt seit 1. Januar 2015 2,35 %. Bei Arbeitnehmern zahlt die Hälfte des Beitrages der Arbeitgeber.

Höhere Beiträge für Arbeitnehmer in Sachsen

Die Pflegeversicherung wurde durch den Verzicht auf einen bundesweiten gesetzlichen Feiertag, den Buß-und Bettag mitfinanziert. Im Freistaat Sachsen ist der Arbeitnehmeranteil höher als im übrigen Bundesgebiet, weil hier am Buß- und Bettag festgehalten wurde.

Die Beitragssätze im Überblick

  • Arbeitnehmeranteil: 1,175 %; Arbeitgeberanteil: 1,175 %
  • Arbeitnehmer im Freistaat Sachsen: Arbeitnehmeranteil: 1,675 %; Arbeitgeberanteil: 0,675 %
  • Beihilfeberechtigte: 1,175 %
  • Rentner: 2,35 %
  • Freiwillig Versicherte, z. B. Selbstständige: 2,35 %
  • Beitragszuschlag für Kinderlose: 0,25 %

Beitragszuschlag für Kinderlose

Kinderlose Mitglieder der Pflegeversicherung müssen seit dem 1. Januar 2005 zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz einen Zuschlag von 0,25 % zahlen. Deshalb liegt der Beitragssatz für Kinderlose nun bei 2.6 %, während der allgemeine Beitragssatz bei 2,35 % liegt. Ausgenommen sind kinderlose Versicherte, die vor dem 1. Januar 1940 geboren sind, Mitglieder bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres sowie Bezieher von Arbeitslosengeld II.

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