Demenz

Hilfe für Angehörige

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"Wandern" und "Verirren" vermeiden

Viele demenziell erkrankte Menschen zeigen, vor allem im mittleren Stadium der Krankheit, einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Der "Wandertrieb" ist nach einem Umgebungswechsel meist besonders groß. Ein erhebliches Risiko besteht dann, wenn der kranke Mensch auf seiner Suche nach Vertrautem das Haus verlässt und nicht wieder zurückfindet.

Sechs Wochen nachdem Frau F. zu ihrem Sohn gezogen war, gelang es ihr, die Wohnung unauffällig zu verlassen und über das Nottreppenhaus aus dem 5. Stock – mit dem Aufzug kam sie nicht zurecht – auf die Straße zu gelangen. Obwohl die Angehörigen bereits eine Viertelstunde später das Verschwinden bemerkten, benötigten sie über drei Stunden, um Frau F. wiederzufinden. Schließlich verständigte ein Gemüsehändler die Polizei, nachdem Frau F. mehrere Kilo Rotkohl verlangt hatte, die sie weder nach Hause tragen noch bezahlen konnte.

Nicht alle Irrgänge demenziell erkrankter Menschen laufen dermaßen glimpflich ab. So besteht nicht nur die Gefahr, dass sich der kranke Mensch verletzt sondern auch fremde Personen gefährdet.

Die Bewegungsfreiheit der betroffenen Person zu beschränken ist aber nicht nur rechtlich problematisch, sondern wirkt sich oft auch negativ auf ihr Befinden aus. So kann die kranke Person etwa das Eingesperrtsein als unverständliche Strafe oder Bedrohung erleben und dann mit Wut und Panik reagieren. Deshalb sollten erst alle behutsamen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Ganz wichtig ist, demenziell erkrankte Menschen beim Umherirren vom Autofahren abzuhalten, da das Unfallrisiko extrem hoch ist.

Vermeiden von "Umherirren"

  • nach  Möglichkeit sollte verhindert werden, dass die bzw. der Kranke unbemerkt das Haus verlässt wie z.B. durch anbringen von Klangspielen an der Tür, die anzeigen, dass die Tür geöffnet wird.
  • Verwenden einer Fußmatte mit einem Signalgeber, der z. B. als Türglocke im Haus ertönt, wenn jemand die Matte betritt.

Wenn der demenziell erkrankte Mensch dennoch unbemerkt die Wohnung verlässt, können folgende Maßnahmen beim schnellen Auffinden helfen:

  • Informieren der Nachbarn und Geschäftsinhaber der Gegend über die Krankheit des Pflegebedürftigen.
  • Lassen Sie die kranke Person Armbänder oder Ketten tragen, auf denen die Telefonnummer steht. Auf die Angabe der Adresse sollte allerdings verzichtet werden, um einem möglichen Ausrauben der Wohnung vorzubeugen.
  • Halten Sie mehrere aktuelle Fotos der erkrankten Person bereit (für Polizei, Nachbarschaft).

Essen und Trinken

Essen ist für demenziell erkrankte Menschen oftmals eine der wenigen verbliebenen Freuden. Mahlzeiten knüpfen an altbekannte Abläufe an und helfen den Kranken, den Tag zu strukturieren. In Gesellschaft anderer Menschen ist Essen zudem ein wichtiges gemeinschaftsstiftendes Ritual.

Aus diesen Gründen ist es wichtig, die gemeinsamen Mahlzeiten trotz aller auftauchenden Schwierigkeiten, wie etwa der ungeschickten Handhabung von Messer und Gabel, möglichst angenehm und spannungsfrei zu gestalten. Dazu gehört, die Selbstständigkeit der demenzkranken Menschen bei der Nahrungsaufnahme mit allen Mitteln zu unterstützen. Gelingt das Schneiden von Fleisch nicht mehr, können die Bissen mundgerecht vorbereitet werden; sind die Patientinnen bzw. Patienten bei der Auswahl der Speisen auf dem Tisch überfordert, ist es sinnvoll, die Gerichte auf einem Teller zu servieren. "Kleckern" die Betroffenen beim Essen oder sind sie nur noch in der Lage, mit den Fingern zu essen, sollten Sie sie auf keinen Fall kritisieren oder gar das Essen verabreichen, sondern unterstützend auf sie einwirken, indem Sie "fingergerechte" Speisen wie z.B. Kuchen anstatt Pudding servieren. Kritik beschämt die Person und kann dazu führen, dass die Nahrungsaufnahme in Zukunft verweigert wird.

Häufig kommt es im Verlauf der Demenz dazu, dass zu wenig Nahrung zu sich genommen wird. Entweder wird das Essen einfach vergessen oder die Person glaubt, bereits gegessen zu haben. Manchmal liegen auch körperliche Ursachen wie Zahnschmerzen oder Kau- und Schluckbeschwerden zugrunde. Generell können diese Beschwerden durch das Meiden bestimmter Lebensmittel eine einseitige Ernährung bedingen und ursächlich für eine Mangelernährung sein.

Bei anhaltender Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust ist deshalb unbedingt eine Ärztin oder ein Arzt aufzusuchen. Ist eine ausreichende Zufuhr von Nahrung und Flüssigkeit nicht mehr möglich, muss überlegt werden, ob eine künstliche Ernährung, z.B. durch eine Magensonde, sinnvoll ist. Im umgekehrten Fall kann es passieren, dass die Patientin bzw. der Patient nur noch essen möchte. Um zu vermeiden, dass sie bzw. er stark zunimmt, sollten Sie dann vermehrt Obst oder Joghurt reichen.

Es ist nicht notwendig, für demenziell erkrankte Menschen nach einer bestimmten Diät zu kochen. Sie sollten aber darauf achten, dass ausreichend Ballaststoffe, Obst und Gemüse serviert werden, um Verstopfungen vorzubeugen. Es ist sehr wichtig, dass ausreichend Flüssigkeit (mindestens 1 Liter = 8 Tassen pro Tag) zu sich genommen wird, um Austrocknung, Verwirrtheitszustände und Verstopfung zu vermeiden. Bei Schluck- oder Kaubeschwerden kann eine bedürfnisgerechte Konsistenz (weich, homogen) in vielen Fällen hilfreich sein. 

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