Die Menschen in Deutschland leben heute länger als vorangegangene Generationen. Zu verdanken ist dies insbesondere der guten medizinische Versorgung. Damit hat sich auch unser Bild vom Älterwerden im positiven Sinn geändert. Die Menschen sind heute bis ins hohe Alter aktiv – Alter, im klassischen Verständnis, gibt es eigentlich gar nicht mehr, oder wenn, dann erst viel später.
Zunahme der Pflegebedürftigen
Aufgrund der Zunahme an älteren und alten Menschen in der Gesellschaft (demographischer Wandel), ist für die Zukunft mit einer Zunahme der pflegebedürftigen Menschen zu rechnen. Ein Sturz oder eine Erkrankung bedeutet für alte Menschen oft das Ende des selbstbestimmten Lebens und den Beginn der Pflegebedürftigkeit. Viele alte Menschen, die zum Pflegefall werden, sind dann von einem Tag auf den Anderen auf fremde Hilfe angewiesen, einfachste Dinge werden zum Problem. Die in Zukunft stark ansteigende Zahl älterer Menschen wird demnach zwangsläufig auch zu einer deutlichen Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen führen. So würde auf Basis einer dauerhaft konstanten altersspezifischen Pflegewahrscheinlichkeit die Zahl der Pflegebedürftigen in der sozialen Pflegeversicherung auf 3,27 Millionen im Jahr 2030 bzw. 4,36 Millionen im Jahr 2050 steigen. Bereits heute leben in Deutschland rund 2,37 Millionen Pflegebedürftige (Stand: 2009). Rund ein Drittel der Pflegebedürftigen erhält dabei vollstationäre Pflege in Pflegeheimen. Etwa zwei Drittel werden hingegen in der häuslichen Umgebung und dabei oft durch ihre Angehörigen, betreut und versorgt.
Pflegekräftemangel - Bedarf an Pflegekräften
Auf Grund des prognostizierten Anstiegs der Pflegebedürftigen benötigen wir in Deutschland im Umkehrschluss auch mehr Menschen, die sich in den Pflegeberufen engagieren. Ende 2009 waren, laut Angaben des Statistischen Bundesamtes, rund 890.000 Personen in der Altenpflege beschäftigt, davon rund 30 Prozent (269.000) bei ambulanten Pflegediensten und 70 Prozent (621.000) in Pflegeheimen. Vor allem durch die Einführung der Pflegeversicherung ist die Altenpflege zum Jobmotor geworden: So hat zwischen 1999 und 2009 die Zahl der bei ambulanten Pflegediensten Beschäftigten um rund 46 Prozent (plus 85.000) und die in Pflegeheimen Beschäftigten um rund 41 Prozent (plus 180.000) zugenommen.
Aufgrund des zu erwartenden Anstiegs der Zahl der Pflegebedürftigen wird auch der Bedarf an Pflegekräften in den kommenden Jahrzehnten weiter stark ansteigen. Hierfür gilt es Vorsorge zu treffen.
Attraktivität des Pflegeberufs stärken
Gerade junge Menschen machen ihre Entscheidung, in den Pflegeberuf zu gehen, von mehreren Faktoren abhängig: Wie sind hier die Ausbildungsbedingungen? Wie gestaltet sich die Arbeitszeit? Wie sind die Chancen auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie und wie ist die berufliche Perspektive?
Um die Berufsausbildung in der Pflege moderner und attraktiver zu gestalten, aber auch, um die Qualifikation in den Pflegeberufen breiter anzulegen, hat die christlich-liberale Koalition im Koalitionsvertrag beschlossen, dass die Ausbildungsinhalte für die Pflegeberufe im Rahmen eines neuen Pflege-Berufsgesetzes neu definiert werden sollen.
Ausbildung zur Pflegekraft
Geplant ist, die Ausbildungen in der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Kinderkrankenpflege zusammenzuführen. Damit werden den Absolventinnen und Absolventen dieses Ausbildungsfeldes mehr berufliche Entwicklungsmöglichkeiten an die Hand gegeben. Die Zusammenführung der Pflegeberufe in einen gemeinsamen Ausbildungsstrang ist schon deshalb erforderlich, weil die Kernkompetenzen zur Pflege älterer Menschen sowohl im Krankenhaus als auch in ambulanten Diensten, in Pflegeeinrichtungen und neuen Wohnformen benötigt werden.
Um einem zukünftigen Pflegekräftemangel vorzubeugen, ist es wichtig, das Ansehen und die Wertschätzung für den Pflegeberuf zu erhöhen. In diesem Zusammenhang ist zu überlegen, wie gerade junge Männer gezielter angesprochen und ihnen der Weg in den Beruf geebnet werden kann. Der Zivildienst und der ihn ersetzende Bundesfreiwilligendienst sind für junge Männer eine gute Gelegenheit, den Beruf kennen- und schätzen zu lernen.
Wertschätzung äußert sich darüber hinaus durch eine entsprechende Entlohnung des Pflegeberufs. Deshalb hat sich Bundesgesundheitsminister Rösler für den Mindestlohn in der Pflege eingesetzt. Mindestlöhne sollten aber nur als Grenze nach unten gesehen werden. Denn schon heute fehlen Fachkräfte. Wer gute Mitarbeiter sucht, kommt nicht weit, wenn er nur den Mindestlohn zahlt.
Wichtig ist außerdem, dass Pflegekräfte sich über ihre oft traurigen Erlebnisse aussprechen können. Wer im Beruf Leid, Sterben und Tod erlebt, sollte die Möglichkeit haben, diese Erlebnisse zu verarbeiten, zum Beispiel in Form von Supervisionen.
Darüber hinaus muss der Pflegeberuf von unnötiger Bürokratie entlastet werden. Es gibt in Deutschland hervorragend ausgebildete Pflegekräfte, die jeden Tag sehr anstrengende Arbeit verrichten. Diese Arbeit sollte nicht zusätzlich erschwert werden.
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