Glossar P-Q

Pflegestufen

Pflegebedürftig im Sinne des Gesetzes sind Personen, die wegen
einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder
Behinderung bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder
Mobilität) und der hauswirtschaftlichen Versorgung auf Dauer –
voraussichtlich für mindestens sechs Monate – in erheblichem
oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. Entsprechend dem Umfang
des Hilfebedarfs werden die Pflegebedürftigen einer von
drei Pflegestufen zugeordnet, ab 2017 einem von fünf Pflegegraden.
Je nach Pflegestufe unterscheidet sich auch die Höhe der
Leistungen. Die beziehungsweise der Versicherte hat die Möglichkeit,
gegen die Entscheidung ihrer beziehungsweise seiner Pflegekasse
Widerspruch einzulegen.

"Pflegestufe 0"

Der sogenannten "Pflegestufe 0" werden Personen mit erheblich
eingeschränkter Alltagskompetenz zugeordnet, die zwar einen
Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen
Versorgung haben, jedoch nicht die Voraussetzungen für
eine Einstufung in die Pflegestufe I erfüllen.

Pflegestufe I – Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Erhebliche Pflegebedürftigkeit liegt vor, bei einem mindestens einmal
täglich erforderlichen Hilfebedarf bei mindestens zwei Verrichtungen
aus einem oder mehreren Bereichen der Grundpflege.
Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen
Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand
muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen,
wobei auf die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder
Mobilität) mehr als 45 Minuten entfallen müssen.

Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftigkeit

Schwerpflegebedürftigkeit liegt vor, bei einem mindestens dreimal
täglich zu verschiedenen Tageszeiten erforderlichen Hilfebedarf
bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität). Zusätzlich
muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen
Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand
muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen, wobei
auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen müssen.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit

Schwerstpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Hilfebedarf so groß
ist, dass der konkrete Hilfebedarf jederzeit gegeben ist und Tag
und Nacht anfällt (rund um die Uhr). Zusätzlich wird mehrfach in
der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt.
Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens
fünf Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege (Körperpflege,
Ernährung oder Mobilität) mindestens vier Stunden entfallen
müssen.

Härtefallregelung

Sind die Voraussetzungen der Pflegestufe III erfüllt und liegt ein außergewöhnlich hoher Pflegeaufwand vor, kann die Härtefallregelung in Anspruch genommen werden. In diesem Fall gibt es höhere Leistungen. Für die Feststellung eines außergewöhnlich hohen Pflegebedarfs im Sinne der Härtefallregelungen ist Voraussetzung,

  • dass die Hilfe bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) mindestens sechs Stunden täglich, davon mindestens dreimal in der Nacht, erforderlich ist, wobei bei Pflegebedürftigen in vollstationären Pflegeeinrichtungen auch die auf Dauer bestehende medizinische Behandlungspflege zu berücksichtigen ist, oder
  • dass die Grundpflege für den Pflegebedürftigen auch nachts nur von mehreren Pflegekräften gemeinsam (zeitgleich) erbracht werden kann. Wenigstens bei einer Verrichtung tagsüber und des Nachts muss dabei neben einer professionellen mindestens eine weitere Pflegeperson tätig werden, die nicht bei einem Pflegedienst beschäftigt sein muss (zum Beispiel Angehörige). Durch diese Festlegung soll erreicht werden, dass hier nicht mehrere Pflegekräfte eines Pflegedienstes tätig werden müssen.

Jedes der beiden Merkmale erfüllt bereits für sich die Voraussetzung
eines qualitativen und quantitativen weit über das übliche
Maß der Grundvoraussetzung der Pflegestufe III hinausgehenden Pflegeaufwandes.

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff

Die Bundesregierung wird in der aktuellen Wahlperiode zum 1. Januar 2017 einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff einführen. Das Gesetz hierzu soll am 1. Januar 2016 in Kraft treten.  Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wird das bisherige System der drei Pflegestufen und der Feststellung einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz durch fünf neue Pflegegrade ersetzt.  

In den neuen Pflegegraden werden körperliche, geistige und psychische Einschränkungen gleichermaßen erfasst und in die Einstufung einbezogen. Bei der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten in sechs verschiedenen Lebensbereichen mit unterschiedlicher Gewichtung ermittelt und zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Daraus ergibt sich die Einstufung in einen Pflegegrad.

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